Stevan Paul im Interview mit deFacto
Die längste Theke der Welt ist doch in Düsseldorf, oder?

Sein Buch war unter unseren Geschenktipps für Weihnachten, jetzt erklärt uns Stevan Paul, was das Besondere an seinem Buch ist, warum er Kochshows mit Architekturzeitschriften vergleicht und was er mit Düsseldorf verbindet. Katharina Schneider-Bodien sprach mit Stevan Paul.
Das Interview:
DEFACTO: Waren Sie schon mal in Düsseldorf?
Stevan Paul: Bisher noch nicht.
DEFACTO: Was verbinden Sie mit Düsseldorf?
Stevan Paul: Die längste Theke der Welt, die ist doch in Düsseldorf, oder? Und die Toten Hosen auch! Die habe ich mal sehr gerne gehört, als ich sehr jung war… (lacht)
DEFACTO: Sind Sie gerne zur Schule gegangen?
Stevan Paul: Ich bin ausgesprochen ungern zur Schule gegangen. Das war eine schwarze und dunkle Zeit für mich. Ich habe mich da nicht zurecht gefunden, was einerseits an einer ausgeprägten Mathematikschwäche lag, was dann auch Schwächen in Physik und Chemie nach sich zog und ich immer mit zwei Fünfern versetzungsgefährdet war. Andererseits lag meine Aversion gegen Schule wahrscheinlich an meiner Ablehnung von Autoritäten. Ich fühlte mich dem Punk verbunden und es war echt nicht einfach für mich.
DEFACTO: Sie sind Foodstylist. Was macht man da genau?
Stevan Paul: Ja, ich arbeite seit zehn Jahren als Foodstylist. Als Foodstylist richte ich für Zeitschriften und Kochbücher, aber auch für Verpackungen und Werbung das Essen ansprechend an.
DEFACTO: Stimmt es, dass die Lebensmittel teilweise mit Haasshampoo eingerieben werden, damit sie besser aussehen?
Stevan Paul: Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Bei Kochbüchern und Zeitschriften wird nicht mehr getrickst. Es wird eins zu eins gekocht, dann wird es vielleicht noch schön angerichtet, aber getrickst wird eigentlich nicht mehr.
In der Werbung ist das natürlich völlig anders, das ist teilweise ein halbes Chemiestudium. In der Werbung ist nichts, wie es scheint.
DEFACTO: Wie ist Ihre Beziehung zum Essen?
Stevan Paul: Ich liebe Essen, ich liebe Kochen, ich liebe den Genuss und freue mich, dass ich es in diesem Leben geschaffte habe diese Begeisterung für die Kulinarik sowohl beruflich als auch privat ausleben zu können. Mein ganzes Leben dreht sich um Essen!
DEFACTO: Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Stevan Paul: Wiener Schnitzel.
DEFACTO: Und was ist Ihr persönlicher Spinat? Was mögen Sie überhaupt nicht?
Stevan Paul: Fenchel. Ich habe nie Zugang zu Fenchel gefunden. Lustigerweise mag ich aber Fenchelsaat wiederum sehr gerne. Das sind zwei unterschiedliche Dinge, die wirklich unterschiedlich schmecken.
DEFACTO: Verraten Sie uns etwas zu Ihrem Buchtitel, wie kam es zu diesem Namen?
Stevan Paul: Ja, der Buchtitel gibt schon einen kleinen Vorgeschmack auf dass, was den Leser im Buch erwartet. Wir hatten eine Titelliste mit zehn Vorschlägen und haben uns dann mit dem Verlag auf diesen sehr gelungenen Titel geeinigt. Denn im Buch finden sich ja viele Stellen wieder, in denen dieser strenge französische Monsieur eine Rolle spielt. Der Hummer kommt auch vor, deshalb ist der Titel sehr passend.
DEFACTO: Wie werden die Rezepte denn bei den Lesern angenommen?
Stevan Paul: Sehr gut! Ich habe schon ein paar Zuschriften von Lesern bekommen, die die Rezepte tatsächlich nachgekocht haben und das freut mich wirklich zu hören, dass die Rezepte angewandt werden. Als Koch habe ich viele Jahre in Restaurants für die Menschen gekocht und durch diese Rezepte koche ich in gewisser Weise auch heute noch für sie. Nur jetzt halt in Form von eigenen Rezepten. Da freue ich mich wirklich total, wenn die Rezepte dann bei den Lesern gut ankommen.
DEFACTO: Die Anzahl der Kochshows im Fernsehen hat sich ja mittlerweile stabilisiert. Was halten Sie von diesen Shows?
Stevan Paul: Kochshows sind ein zweischneidiges Schwert. Ich finde Kochshows ganz ganz toll, weil die Menschen wieder mehr über Essen nachdenken. Durch diese Shows ist auch die Anerkennung des Berufs „Koch“ wieder gestiegen. Endlich merken die Menschen, dass nicht das freundliche Service-Personal gekocht hat, sondern Jungs in der Küche, die hart arbeiten. Das finde ich sehr positiv. Aber man darf vom Kochfernsehen nicht erwarten, dass es in irgendeiner Weise pädagogisch wirkt. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Menschen ihren Umständen entsprechend ernähren. Sprich, wie viel Zeit haben sie, wie viel Geld haben sie und wie viel Lust haben sie, um sich mit „Essen“ auseinander zu setzen.
Kochsendungen sind so ein bisschen wie Wohnzeitschriften. Die schaut man sich auch gerne an, aber die Wenigsten haben dann wirklich so ein Wohnzimmer.
DEFACTO: Wann haben Sie das letzte Mal eine Tiefkühl-Pizza in den Ofen geschoben?
Stevan Paul: Das kommt schon mal vor, aber echt extrem selten. Aber da kann ich Ihnen und Ihren Lesern einen Trick verraten:
Tiefkühlpizzen werden richtig lecker, wenn man die Dinger früher aus der Tiefkühltruhe nimmt und sie ein wenig auftauen lässt. Dann verkürzt sich die Garzeit, sie werden viel knuspriger und wenn man dann zum Schluss noch ein bisschen frischen Knoblauch und ein bisschen Olivenöl darüber träufelt, nehmen die Dinger richtig Fahrt auf!
DEFACTO: Planen Sie schon das nächste Buchprojekt?
Stevan Paul: Ja, aktuell arbeite ich an einem Roman.
DEFACTO: Der auch wieder bei mairisch erscheint?
Stevan Paul: Wenn mairisch das möchte! (lacht) Ich würde ihn sehr gerne wieder bei mairisch veröffentlichen, weil ich großes Vertrauen in meine Verleger habe und es bei mairisch wirklich ein schönes Miteinander ist. Klar ist mairisch ein kleiner und unabhängiger Verlag, was teilweise Nachteile bei den Vertriebswegen hat, hat aber gleichzeitig auch den Vorteil, dass man ein Buch machen kann, mit dem alle zufrieden sind. Und das ist sehr sehr schön.
DEFACTO: Sie führen einen Blog im Internet und sind technikinteressiert. Was halten Sie von E-Books?
Stevan Paul: Man sollte sich dem nicht verschließen. Es ist ja eine sehr demokratische Sache, die Menschen können ja entscheiden, wie sie Zugang zu Büchern haben wollen. Ich finde spannend, was die Zukunft so bringt. Für Unterwegs sind sie sicherlich eine Bereicherung. Aber ich selber halte lieber ein schönes Buch in der Hand, mit einem Cover, vielleicht mit Prägedruck und Lesebändchen. Also eher Old-School, aber ich werde das sicherlich mal ausprobieren, wenn sich die Technik noch ein bisschen weiterentwickelt hat.
DEFACTO: Wie sieht das bei Kochbüchern aus?
Stevan Paul: Bei Kochbüchern ist die Technik schon ein bisschen weiter. Für iPhones und Smartphones gibt es diese „Apps“. Als Foodstylist habe ich gerade eines der ersten Apps für italienische Küche betreut. Da ist ein Lexikon dabei, da sind Bilder dabei, damit man beispielsweise dem italienischen Marktverkäufer einfach sein Phone vor die Nase halten kann, weil man nicht weiß, wie die Zutat auf Italienisch heißt. Das ist wirklich hilfreich.
DEFACTO: Welches Buch lesen Sie zurzeit?
Stevan Paul: Privat lese ich gerade das Buch “Kochen ist Krieg“ von Gregor Weber. Gregor Weber ist Ihren Lesern vielleicht als saarländischer Tatortkommissar Deininger bekannt. Und Gregor Weber hat mit 30, 35 Jahren noch eine Kochlehre gemacht und zwar bei Kolja Kleeberg. Nach dieser Lehre ist er ein Jahr durch Deutschland gereist und hat in ganz unterschiedlichen Restaurants jeweils einen Monat mitgearbeitet. Das Buch erscheint jetzt gerade zur Buchmesse.
Ich habe es schon gelesen, weil ich mit Gregor Weber in Hamburg zusammen eine Lesung hatte. Tolles Buch, ein Denkmal für Köche, superspannend geschrieben!
Stevan Paul, Monsieur, der Hummer und Ich, mairisch Verlag, 176 Seiten, 18,90 Euro
Von Katharina Schneider-Bodien Freitag, den 01. Januar 2010 um 19:14 Uhr











