Samstag Sep 04

Die besten Debüts des Jahres 2009
6 Büchertipps für den Gabentisch

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Und wieder ist Nikolaus vorbei, Weihnachten naht in riesen Schritten und man weiß nicht, was man verschenken soll. Wie wäre es denn mal mit einem Buch? Nein, nicht Frank Schätzing und auch nicht unbedingt Stephen King. Wie wäre es denn mal mit einem Erstlingswerk? Ein Buch eines Schriftstellers, der sein erstes Werk veröffentlicht hat, noch nicht allzu bekannt ist, sich aber trotzdem nicht verstecken braucht?! Eben, deshalb hier die sechs besten Debüts des Jahres 2009:

Stefan Petermann, Der Schlaf und das Flüstern, asphalt&anders Verlag, 272 Seiten, 18,90 Euro

Beste Textstelle: "Ich mache Ihnen keinen Vorwurf. So sind sie eben. Beschützt von ihrer Ahnungslosigkeit. Stehen in der Ecke, beobachten den Schulhof, paffen Zigaretten, greifen nach vorbeieilenden Kindern wie ein Kran nach Betonplatten und wiegen sich in Sicherheit. Sich und die Kinder und wissen doch nichts. Ich (...) sah sie rennen, rennen, rennen. Kinder rennen immer. Jeder Weg ist eine Sandbahn für sie, sie hasten von Punkt A zu Punkt B und wieder zurück, sie schulen ihren Bewegungsdrang, kosten ihn aus, bis sie verbraucht zu Boden sinken. Sie lachen, sie kreischen, sie fühlen sich wohl mit ihren Beinen, und je älter sie werden, desto verdächtiger werden ihre Bewegungen. Rennen ist eine vorübergehende Krankheit, sie erlischt lautlos in den Jahren."

2 Perspektiven, ein schonungsloser Blick auf die Gesellschaft, ein überraschendes Ende. Lasst euch überraschen!

Geeignet für: Sommerkinder, die den Winter abgrundtief verabscheuen, Leser, die Zeit haben, sich auf das Buch einzulassen, es wirken zu lassen und es am Besten auf einmal lesen, Einzelgänger, Psychologen, Fans von Finn-Ole Heinrich

 

Thomas Klupp, Paradiso, Berlin Verlage, 208 Seiten, 7,95 Euro

Beste Textstelle: "Es ist noch früh am Nachmittag und glühend heiß, und ich stehe hier an einer Raststätte gleich bei Potsdam und warte darauf, bald wegzukommen. Obwohl ich im Schatten des Tankstellendachs stehe und nur eine kurze Hose und ein ärmelloses T-Shirt trage, schwitze ich, als hätte ich Gewichte gestemmt. Das Shirt klebt mir im Nacken, und weil es neu ist, und ich vergessen habe, es zu waschen, juckt es am Saum ganz schlimm."

Diese ersten drei Sätze von Thomas Klupp Debüts zeigen den Rhythmus des ganzen Buches. Bitterböse und zugleich hochkomisch, unverblümt und direkt, schildert Klupp 24 Stunden aus dem Leben eines Blenders im Hier und Jetzt. Anarchisch und mit tiefschwarzem Humor erzählt, lässt er den Leser atemlos und mit weit aufgerissenen Augen zurück. Wetten?

Geeignet für: Lebenskünstler, Unangepasste, Gesellschaftskritiker, Freigeister

 

Stevan Paul, Monsieur, der Hummer und Ich, mairisch Verlag, 176 Seiten, 18,90 Euro

Beste Textstelle: "Demis naht vertraulich: »In Griechenland es gibt ein schone Tradition. Bei Tanzabend kann man Teller kaufen fur besonders gute Tanzer, die Teller schmeißt man dann vor die Fuße der Tanzer. Das ist ein Zeichen von großen Respekt, ist auch teuer, manche Teller kosten zwanzig Euro, ist ein Geschenk fur de Tanzer!« Demis sieht mich grinsend an und klopft mit dem Zeigefinger wie beiläufig auf die Ränder unserer blank gegessenen Teller. Wir verstehen. Gleichzeitig nehmen wir jeder einen Teller in die Hand. »Bin ich am meisten gespannt auf de Gesicht von de Karl«, lacht Demis. »Fertig? Eins, zwei, drei … LOS!« 

Ersteinmal ist das Buch an sich schon ein Augenschmaus. Leineneinband, mit Prägung, tolles Layout, kurz: Ein Buch, was man sich - nach der Lektüre - gerne so ins Regal stellt, dass es auch gesehen wird, sprich: Nicht in die hinterste Reihe, zu den anderen "Kochbüchern". Denn genau, Stevan Paul hat zu jeder Kurzgeschichte ein eigenes Rezept beigesteuert. "Als Koch habe ich viele Jahre in Restaurants für die Menschen gekocht und durch diese Rezepte koche ich in gewisser Weise auch heute noch für sie." Das Buch gewährt Eindrücke in die Welt des Kochens, abseits des Glamours und Backstage der großen Kochsendungen. Die ausgewählte Textstelle findet ihr in der Leseprobe auf der Verlagshomepage wieder, vielleicht ist es nicht  d i e Textstelle. Aber ich mag Demis.

Geeignet für: (Hobby-)Köche, Menschen, die Kochshows toll finden, Menschen, die Kochshows verabscheuen, Genießer, Gerne-Esser, Humoristen,

 

Svealena Kutschke, Etwas Kleines gut versiegeln, Wallstein Verlag, 296 Seiten, 19,90 Euro

Beste Textstelle: " "I know some German words", grinste er. Der Hautfetzen an seinem Mund zitterte. "Heil Hitler, Komposthaufen, Autobahn, Bier, Ich liebe dich!", ratterte er stolz herunter. Ob er sich darauf die letzten 14 Stunden vorbereitet hatte? "Interessante Mischung", knirschte ich. "I know some English words: Baked Beans, Beer and Motherfucker." Den Rest des Fluges sprachen wir nicht mehr miteinander."

Lisa bricht ihr Fotografiestudium ab und besucht den Ex ihres Bruders in Australien. Dort ist sie auf der Suche nach sich selbst, was sich jetzt ziemlich esoterisch anhört, aber das ist es nicht. Dieses Buch ist verrückt, Kutschke spielt mit den verschiedenen Erzählebenen und lässt die komischsten Charaktere auftreten. Genau wie Lisa suchen sie ihr Glück jenseits der gängigen Spuren. Der Leser taucht immer wieder in die rosarote Welt ein, die voll von Liebe, Verständnis aber auch großer Verrücktheit ist, und ist traurig, wenn diese Welt zu Ende ist.

Geeignet für: Leser, die Bücher mit einer besonderen Stimmung mögen, Australienfans, Menschen, die Büchern eine Chance geben, sich richtig zu entfalten,

 

Fabio Volo, Einfach losfahren, Diogenes, 288 Seiten, 19,90 Euro

Beste Textstelle: "Ich betrachtete einen Bleistift und roch an ihm. Ich berührte ein Heft. Es war schön, die Finger über das Papier streichen zu lassen. Einen Stoff zu berühren, ein Gewebe. Ich betrachtete ein Glas, eine Tasse, eine Flasche. Den Holztisch, die Lampe, einen Schlüssel. Als ich klein war, behandelte meine Großmutter die Dinge im Haus auch mit großer Aufmerksamkeit und Liebe. Die Sorgfalt, mit der sie ihr Schultertuch faltete, war heilig, fast als würde sie es liebkosen. Die Espressotassen wurden mit größter Vorsicht behandelt und waren von großem Wert, obwohl der Materialwert an sich gering war. Alles besaß eine Würde."

Ein Roman von Mulitalent (Musiker, Schauspieler, Schriftsteller) Fabio Volo über nichts weniger, als das Leben an sich, Freundschaft, Freiheit und die Liebe des Lebens. Das Buch beschreibt eine besondere Atmosphäre, im Gespräch wies mich jemand darauf hin, dass das Lied "Con una Rosa" von Vinicio Capossela diese Atmosphäre treffend wiedergibt. Genaugenommen ist dieser Roman auch nicht sein Debüt, in Italien sind bereits sieben Romane erschienen, doch "Einfach losfahren" ist die erste Übersetzung auf Deutsch.

Geeignet für: Lebenskünstler, Träumer, Fans von Paulo Coelho, Italienfans, Sommerkinder

 

Mary Ann Shaffer, Deine Juliet, rororo, 304 Seiten, 8,95 Euro

Beste Textstelle: 

"Dawsey Adams an Juliet, 6. Februar 1946

Sehr geehrte Miss Ashton, ganz gewiss würde es dem Literaturclub von Guernsey gefallen, in Ihrem Artikel für die Times Erwähnung zu finden. Ich habe Mrs. Maugery gebeten, Ihnen von der Versammlung zu berichten, da sie eine gebildete Dame ist und ihre Worte sich in einem Artikel passender anhören werden als meine. Ich glaube nicht, dass wir mit Literaturclubs in London viel gemeinsam haben."

Die wohl älteste Debütantin Shaffer (75 Jahre) arbeitete als Redakteurin und Buchhändlerin. Bei einem London-Besuch im Jahr 1976 machte sie ihre erste Guernsey-Reise. Hier hörte sie auch zum ersten Mal von der Zeit der Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Sehr viel später schrieb sie ihren Roman auf Anregung ihres Literaturclubs. Sie starb bereits im Februar 2008. Ihr Buch beschreibt auf liebevolle Art, wie die Menschen mit der Zeit der Besatzung fertig wurden: Indem sie einen Literaturclub gründeten.

Geeignet für: Fans von "Die souveräne Leserin", Fans von Briefromanen, angehende Schriftsteller, Frauen, Leser, die Christine Westermann blind folgen, Gelegenheitsleser,


Von Katharina Schneider-Bodien Montag, den 07. Dezember 2009 um 00:00 Uhr

Kurz gemeldet

Band-Nachwuchs gesucht

(ksb) - Im Oktober findet wieder das beliebte Drei-Tage-Rennen im zakk statt. Vom 21.10. bis zum 23. 10. können sich die besten und kreativsten Newcomer-Bands aus Düsseldorf und Umgebung auf der zakk-Bühne beweisen. Das Durchschnittsalter sollte nicht älter als 23 Jahre sein, gesuchte Genres sind Pop, Rock, HipHop, elektronische Musik und Reggae/Dancehall. Bewerbungsschluss ist der 1. Oktober, weitere Infos auf der zakk-Homepage.


Buchpreisträgerin im Heine-Haus

Am Donnerstag (2. September) ließt Katharina Hacker, die erste Preisträgerin des Deutschen Buchpreises im Heine-Haus auf der Bolkerstraße. Hacker wird aus ihrem aktuellen, bei S. Fischer erschienenen Roman, "Die Erdbeeren von Antons Mutter", lesen. Die Moderation des Abends übernimmt WDR-Moderator David Eisermann. Beginn ist 19:30 Uhr, die Karten kosten 8 Euro, bzw. 6 Euro an der Abendkasse.

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