Erdoğan als Vorbild für Demokratie?
Ist der türkische Ministerpräsident ein gutes Vorbild für den arabischen Frühling?
Recep Tayip Erdoğan ist jetzt also Vorbild der Demokratie und Säkularisierung im arabischen Frühling. Zumindest präsentierte er sich am Dienstagabend während seiner Rede vor der arabischen Liga so. Nebst anderen hilfreichen Empfehlungen pries er vor allem die Trennung von Staat und Religion an, um einer Demokratie gerecht zu werden. „Macht euch keine Gedanken wegen des Laizismus“ beruhigte er seine Zuhörer. Sorgen müssen sich auch konservative Köpfe in Ägypten nicht. Denn selbst wenn Ägypten oder Libyen laizistische Staatssysteme einführten, so ist doch die Türkei das beste Beispiel dafür, wie eine konservativ-islamische Regierung vor der Nase des Westens, die Hauptprinzipien der Säkularisierung untergräbt.
Spätestens seit dem letzten Herbst, nach der Verabschiedung des verfassungsändernden Referendums ist klar, dass nicht mal das Eingreifen in die Justiz, den Deckmantel des Reformers Erdoğan, entlarvt. Im Gegenteil, Europa klatscht auch noch Beifall. Dass die „Reformen“ der Regierungspartei AKP zum Beispiel mit der Aufhebung des Kopftuchverbotes in öffentlichen Einrichtungen, wie an Universitäten einhergehen, scheint niemanden im Westen zu beunruhigen – Erdoğan kann als moderner Staatsmann jetzt ganz offiziell Ägypten heiße Tipps in Puncto Laizismus geben. Welch revolutionärer Wind im Arabischen Frühling!



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