Cookies sind die besseren Plätzchen

Drei Jungs vom Bodensee auf der Suche nach dem besten Cookie Deutschlands

von Kai Inboden | Donnerstag, 15. Dezember 2011

Cookies sind die besseren Plätzchen
Simon und Manu, Studenten aus Friedrichshafen, wollen den besten Cookie Deutschlands backen (Bild: knusperreich)

Die Tage werden kürzer und Weihnachten nähert sich mit riesigen Schritten. Auch unser Redakteur Kai wurde vom Weihnachtsfieber gepackt und machte sich auf den Weg, die besten Weihnachtsplätzchen für ein besinnliches Fest aufzustöbern. Auf seiner Suche ist er aber nicht etwa bei seiner Mutter oder gar Großmutter gelandet, sondern in Friedrichshafen am Bodensee. Und sein Fund sind keine Kokosmakronen oder mit Puderzucker bestreute Vanillekipferl, sondern große, leckere Cookies.

Langsam wird es Abend. Die untergehende Sonne taucht die Schweizer Alpen auf der gegenüberliegenden Seite des Bodensees in feurig rotes Licht, auf den Gipfeln der Berge liegt Schnee. Ich stehe am Stadtbahnhof in Friedrichshafen und suche das Büro des Cookie-Startups "knusperreich". "Die Jungs", wie sich die drei Cookiefanatiker nennen, sind mit keinem geringeren Ziel angetreten, als den deutschen Backmarkt zu revolutionieren und den besten Cookie Deutschlands zu backen. Davon möchte ich mich heute selbst überzeugen.

Die Adresse, zu der mich das Navigationssystem meines Mobiltelefons leitet, liegt inmitten eines kleinen, beinahe idyllischen Innenhofs. Umgeben von vielen Balkonen kleiner Wohnungen frage ich mich, ob ich hier richtig bin. Wie ein Bürokomplex wirken die Gebäude nicht.
Dann entdecke ich endlich einen der Jungs: Manu, mit vollem Namen Manuel Grossmann, ist 22 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Esslingen am Neckar und studiert im fünften Semester "Corporate Management & Economics" an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Als ich nach einer kurzen Begrüßung wissen möchte, ob sich das knusperreich-Büro in einer Wohnung befindet, lacht Manu kurz und erklärt mir, dass es zwar ein ganz normales Büro sei, er aber mehr Zeit hier als zu Hause verbringe.

Der Weg in das Knusperreich von knusperreich führt über eine breite Treppe, vorbei an einer alten Setzmaschine, die wie ein Museumsstück das Treppenhaus ziert. Im Büro angekommen, fällt mir direkt die kleine Pyramide aus hellbraunen Cookie-Dosen auf. Links von mir sitzt auf einem gemütlichen Sessel ein junger Mann und telefoniert. "Wir teilen uns unser Büro mit anderen studentischen Initiativen unserer Universität", erklärt mir Manu, während er mich durch den Flur führt, "wir haben das Büro da hinten und hier ein Lager". Er weist auf einen kleinen Raum, der randvoll mit knusperreich-Cookie-Dosen gefüllt ist. Doch die sind leer. "Wir produzieren unsere Cookies nicht auf Lager, damit wir immer ofenfrische Ware liefern können", erzählt Manu stolz.




Die Weihnachtskollektion


In dem kleinen Büroraum, in den wir gehen, begrüßt mich Simon, auch einer von den Jungs. Simon ist 23 und Kommilitone von Manu. An einem Doppeltisch stehen zwei Computer, überall liegen offene Kekspackungen verschiedenster Sorten herum. Marktforschung, erklärt man mir.
Vor uns auf dem Tisch steht eine Probierschale mit einigen Cookies. Der Duft, der sich um den Tisch verbreitet, erinnert mich an das weihnachtliche Plätzchenbacken mit meiner Familie. "Die haben wir heute vom Konditor abgeholt", erklärt Simon, "die sind ganz frisch. Das wird unsere Weihnachtskollektion. Wir haben uns gedacht: Cookies sind die besseren Weihnachtsplätzchen. Du kannst gerne probieren!". Das Angebot nehme ich gerne an und greife nach einem hellen Gebäckstück mit Nüssen. "Das ist ein Hafertaler mit Hanfnüssen und Aprikosen", beschreibt mir Simon die knusperreich-Weihnachtskreation. Schmeckt frisch und irgendwie weihnachtlich, obwohl kein Zimt drin ist. "Siehst du", sagt Simon an Manu gewandt, "da muss nicht überall Zimt drin sein". "Ich bin ein riesiger Zimt-Fan", klärt Manu mich auf, "und wir haben viel darüber diskutiert, ob in den Weihnachtscookies Zimt sein soll oder nicht".


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Auf die Gründungsidee ihres kleinen Unternehmens kamen die Studenten im vergangenen Jahr in einem Friedrichshafener Café. Während einer Gruppenarbeit meldete sich das Hungergefühl und weil der nächste Supermarkt zu weit weg war, griffen die Gründer zu den Keksen hinter der Café-Theke. Ein Fehlgriff, wie sich nach dem ersten Bissen herausstellte: Keine frischen Plätzchen, sondern nur aufgetaute Tiefkühlware. Doch aus dieser Enttäuschung entwickelte sich schnell der Wunsch nach einem wirklich guten Cookie. Viele Nachmittage am heimischen WG-Backofen folgten und die ersten Rezepte entstanden. "Wir haben uns gedacht: Das kann eigentlich nicht schwer sein, bessere Cookies zu backen als das importierte Tiefkühlzeug, das man sonst so kaufen kann", erinnert sich Manu. Doch der Aufbau des Cookie-Imperiums gestaltete sich schwieriger als gedacht. Ein Blech Cookies kann mit ein wenig Arbeit noch in der WG gebacken werden. Aber was, wenn man zehn Bleche braucht? Oder gar hundert?
Ein Bäcker musste her. "Wir haben viele Bäcker in Friedrichshafen angefragt. Kleinere und Größere. Aber wir bekamen immer dieselbe Reaktion: 'Cookies? Wasch isch des?' und wenn wir dann versuchen haben zu erklären, dass Cookies großen Keksen ähneln aber eigentlich etwas anderes sind, folge meistens: 'Kekse? Des kann ich backen!' - Aber wir wollten keine Kekse, wir wollten Cookies". Heute kann Simon darüber lachen. Und Manu fügt hinzu: "Manche haben zumindest versucht, unseren Anforderungen an einen guten Cookie zu genügen. Als wir aber das fertige Produkt abholen wollten, präsentierte man uns ein Blech voller Teig-Matsch und erklärte uns, dass unser Rezept einfach schlecht wäre".




"Bio ist das Mindeste!"


Dieselben Rezepte werden auch heute noch für die Knusperreich-Cookies verwendet. Nur backt sie jetzt ein Konditor. Manu gerät ins Schwärmen: "Nachdem wir viele Bäcker und Konditoren ausprobiert und unseren Traum, den besten Cookie Deutschlands zu backen, fast begraben hatten, trafen wir Heinz Höpker. Der ist Konditor hier in Friedrichshafen, wurde bei den besten Konditoren und Chocolatiers in der Schweiz ausgebildet, hat eben dort und in Frankreich gearbeitet und beliefert jetzt den gesamten Bodenseeraum mit seinen Kreationen". Höpker, der eine kleine Konditorei führt, war sofort begeistert von der Idee ofenfrischer Cookies. Seit diesem Tag backt er einmal pro Woche die Bestellungen der Cookieliebhaber der Republik. "Die ganze Konditorei backt mit und freut sich über unsere Cookies", erzählt Simon. Und Manu ergänzt: "Die werden von der Vorstellung beflügelt, dass ihre Cookies hier vom Bodensee aus nach ganz Deutschland verschickt werden, das ist für alle etwas ganz Besonderes".
Doch nicht allein Konditor Höpker macht die hohe Qualität aus, auch die Zutaten der Cookies sind sorgfältig gewählt. Keine Konservierungsstoffe, sondern ausschließlich Bio-Produkte kommen in den Knusperreich-Cookie. "Bio ist das Mindeste", erklären mir die beiden. "Außerdem haben wir eine Art Cookie-TÜV entwickelt. Wir testen jedes neue Rezept auf Brucheigenschaften und Saftigkeit. Denn nur ein Cookie, der nicht zu früh bricht aber auch nicht zu biegsam ist, ist ein guter Cookie".

Während wir uns unterhalten, fällt mir auf, dass Manu und Simon ihre Cookies mit Eigenschaften beschreiben, die man normalerweise nicht mit einem Lebensmittel in Verbindung bringen würde. Sie benutzen Adjektive wie "charmant" oder "witzig". "Mein Lieblings-Cookie ist der 'Abenteurer'", wirft Simon ein, "der ist wirklich spannend! Mit Hafer und Cranberries". Man merkt den beiden an, dass sie ihre Cookies lieben.
Besonders wichtig ist Ihnen deshalb, dass mit ihren Kindern aus Hafer und Schokolade kein Unfug getrieben wird. "Wir wollen, dass unsere Cookies immer wie aus Omas Backofen schmecken", erklärt Manu, der sich inzwischen ein Stück von einem tiefbraunen Schoko-Cookie genommen hat, "deshalb empfehlen wir unseren Kunden, lieber immer mal wieder nach zu kaufen, anstatt viele Cookies auf Vorrat anzuschaffen". Eine Knusperreich-Cookie-Dose beinhaltet genau sieben Cookies. Einen für jeden Tag. Es gab schon einige Angebote, für große Konferenzen oder gar Supermärkte zu produzieren, doch die Jungs lehnten ab: "Wir produzieren auch nicht, wir backen".

Draußen wird es langsam dunkel. Ich verabschiede mich von Manu und Simon und wünsche Ihnen viel Glück mit ihren leckeren Cookies. Während ich auf dem Weg nach Hause am Bodensee entlang laufe, tauchen die Weihnachtsplätzchen wieder in meinen Gedanken auf. Ausstechplätzchen und Spritzgebäck zu Weihnachten? Vielleicht nächstes Jahr. In diesem Jahr gibt es Cookies - Die vermutlich leckersten, die ich jemals gegessen habe.


Für Spontane:

Wer seinen Liebsten zum Fest am Samstag noch ein Paket Cookies unter den Baum legen möchte, muss sich beeilen: Nur wer bis Montagabend (19.12. - 20:00 Uhr) bestellt, bekommt seine Knusperreich-Cookies noch rechtzeitig vor Heiligabend!

Redaktioneller Hinweis: In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurde das Datum der letztmöglichen Cookie-Bestellung vor Weihnachten fehlerhaft angegeben. Die Cookies können bis zum 19.12. um 20 Uhr bestellt werden. 

Über den Autor

Kai Inboden

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Kai Inboden ist ein Pionier, zumindest sagt das seine Universität in Friedrichshafen. Dort studiert er "Kommunikation & Kulturmanagement" und weil der Bodensee zwar sehr schön aber auf Dauer auch sehr langweilig sein kann, erzählt er für uns von dort aus süddeutsche und andere Geschichten.

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